Aufzeichnungen aus dem Stadtarchiv Sopron / „Ödenburger Zeitung“:

7. März 1884

Sehr sehnsüchtig blickt unsere Stadt auf die endliche Verwirklichung des Projekts, eine Freiwillige Feuerwehr hier zu gründen. Der hiesige Obernotär und Stadthauptmann, Herr Magyar, lässt sich jetzt mit aller Tatkraft und löblichstem Eifer diesen Gegenstand reger Beratungen angelegen sein und wird, - so hoffen wir, - unsere diesbezüglichen Hoffnungen baldmöglichst realisieren. Auf, daher, zur Tat, ihr Männer, die ihr euch um das Zustandekommen des Vereines bemüht! Bleibet aber ja nicht etwa auf halbem Wege stehen. Lasset uns der Welt verkünden, dass auch wir den Anforderungen der Neuzeit nachzukommen fähig sind, dass wir das heiligste Religionsgesetz „Liebe Deinen Nebenmenschen wie Dich selbst!“ achten und durch die Tat beweisen wollen, wie sehr wir durchdrungen und erfüllt sind von dem Grundsatz: „Einer für alle, alle für einen!“ Gut Heil!

 

4. April 1884

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Das Tagesgespräch bildet der hier ins Leben gerufene Feuerwehrverein. An allen Ecken und Enden, an allen Wegen und Stegen ist er Stoff der Konversation und herrscht eine allgemeine Begeisterung. Rust, das kleinste Städtchen Ungarns, vermag durch Einigkeit und harmonisches Zusammenwirken viel, und dessen Bewohner sind stets immer bereit, Opfer für das allgemeine Wohl, für das Emporblühen ihrer Geburtsstadt, zu bringen.
Man sieht mit Staunen, dass bei einer jüngst stattgefundenen Sammlung zugunsten der Errichtung eines Monuments in Budapest zur Erinnerung an den Freiheitskampf zirka 60 fl, ferner für die Errichtung eines projektierten Kursalons beim Badhause zirka 700 fl eingegangen sind. Wer wollte nun an der Bereitwilligkeit der Bewohner zweifeln, wenn der Ruf an sie ergeht, für ein so gemeinnütziges Institut wie das der Feuerwehr einen Beitrag zu leisten? Wahrlich, alle unsere Erwartungen sind übertroffen. Bei der am 30. März 1884 abgehaltenen Generalversammlung wurde freudigst bekannt gegeben, dass der Verein 35 gründende, 89 unterstützende und 60 ausübende Mitglieder zählt. Ein Appell an die Bewohner ergab das Erträgnis von 350 fl. Wo eine solche Begeisterung herrscht, kann unmöglich das Unternehmen in die Brüche gehen. Gelegentlich besagter Generalversammlung wurden auch die Funktionäre gewählt. Herr Obernotär und Stadthauptmann Magyar eröffnete um vier Uhr Nachmittag die tatsächlich von hundert Mitgliedern besuchte Versammlung und gab in kurzen Worten seine Freude über das zahlreiche Erscheinen der Herren Mitglieder kund und sprach über die Wichtigkeit des heutigen Tages. Für die Stelle eines Präses wurden Herr Bürgermeister v. Conrad, gewesener Magistratsrat v. Gabriel und Volksschullehrer Hackl kandidiert. Die Wogen begannen zu steigen, und man veranlasste die geheime Abstimmung, trotzdem eine imposante Mehrheit der Stimmen nicht dafür gewesen ist. Herr Ludwig Schandl bestieg demnach die Tribüne und setzte der Versammlung in bündigen Worten auseinander, dass um des Gemeinsinnes wegen und des allgemeinen Wohles halber die Kanditation fallen gelassen werde und Herr Anton v. Ecker mit Akklamation zum Präses aufgerufen werden möge. Man machte nicht viel Federlesens, die Parteien fusionierten sich und der Antrag des Herrn Schandl wurde einstimmig angenommen. Wir stimmen ebenfalls dieser glücklichen Idee freudigst bei, denn ein kaum ins Leben getretener Verein braucht Pflege, Gemeinsinn und Einigkeit. Durch diese Wahl ist jedem Zwiste, jedem Vorurteile die Spitze abgebrochen, das Aufblühen des jungen Institutes gesichert und bestärkt. Eine Deputation unter Führung des Herrn Magistratsrates Tremmel und Herrn Schandl begab sich zu Herrn v. Ecker, um ihm den Entschluss der Generalversammlung zu unterbreiten. Er dankte tiefgerührt für das ihm zugewendete Vertrauen, fügte jedoch hinzu, dass er genötigt sei, den Ehrenposten abzulehnen, indem er nie danach strebte, Ehrenämter zu erhalten, sondern er wolle bloß bemüht sein, der guten Sache dadurch zu dienen, sie (soweit es seine bescheidenen Kräfte zulassen) materiell zu unterstützen. Die Herren Mandatare mögen die Versicherung hinnehmen, dass er bestimmt beitragen werde, das Aufblühen des Vereines zu fördern. Auf Gegenvorstellung der Deputation und gleichzeitigen Versicherung, dass Herr A. v. Ecker nicht etwa, wie er zu erwähnen beliebte, bloß von den katholischen Mitgliedern, sondern von sämtlich Anwesenden ohne Unterschied von Konfession gewählt wurde, entschloss sich dieser endlich dennoch, die ehrende Stelle eines Präses der Ruster Feuerwehr anzunehmen, und begab sich sofort, geleitet von der Deputation, in den Saal der Versammlung, wo er mit stürmischen Eljens empfangen wurde. Der neue Präses stellte sich vor und dankte in kurzen Worten für das ihm allerseits geschenkte ehrenvolle Wohlwollen. Herr Mathias Frankendorfer richtete in gewählten Worten eine Ansprache an den Herrn Präses, welche damit schloss, dass Herr v. Ecker lange dem Vereine vorstehen möge. Nun wurden mit Akklamation die übrigen Stellen besetzt, wie folgt: Herr Obernotär und Stadthauptmann Magyar zum Oberkommandanten und gleichzeitigem Vizepräses, Herr Magistratsrat Zehetner zum Vizekommandanten, Herr Lehrer Müller zum Schriftführer, Herr Mathias Frankendorfer zum Kassier, Herr Karl Odorfer zum Spritzenmeister, Herr Hideg zum Stellvertreter, Herr Gottlieb Franz zum Zugführer, Herr Walla zum Stellvertreter, die Herren Hackl (Volksschullehrer) Jagadisch und Karl Lony zu Ausschussmitgliedern mit noch anderen neun Herrn, deren Namen uns bis heute unbekannt geblieben sind. Künftigen Sonntag, den 6. April wird unter Leitung des Altmeisters Rösch aus Odenburg und dessen Genossen eine praktische Feuerwehrübung in Rust abgehalten, um den richtigen Geist in die Herzen der neuen Ruster Rekruten zu verpflanzen. Mit offenen Armen sehen wir dem Besuche entgegen, sind wir doch vollkommen von der Uneigennützigkeit des Herrn Oberkommandanten Rösch überzeugt, und ist uns nur zu gut bekannt, dass selber stets mit allen Kräften einsteht, um das Feuerwehrwesen, diesem modernen Institute der Neuzeit, welches in keiner Gemeinde fehlen sollte, zu heben, zu errichten und einzuführen. Ein herzliches Willkommen, den lieben Odenburger Gästen und ein Hoch ihrem Vorstande.

 

7. April 1884

Vom herrlichsten Wetter begleitet, langte hier am verflossenen Palmsonntag nachmittags, 3 Uhr, die aus zirka 70 Mitgliedern bestehende Deputation der Feuerwehr aus Odenburg an. Schon tags bevor wurde eine Sitzung abgehalten, um festzustellen wie, auf welche Weise dem Brudervereine ein würdiger Empfang bereitet werden könne. Der Ruster Verein (60 ausübende Mitglieder, an der Spitze seine Funktionäre) gingen bis Anfang der Stadt den Ankömmlingen entgegen wobei der Herr Präses Ecker dieselben in kernigen Worten begrüßte und eine herzliche gegenseitige Vorstellung vermittelte.
Die Mitglieder des Ruster Vereines, die noch nicht uniformiert sind, trugen als Abzeichen grüne Zweige auf den Hüten. Nun bewegte sich der imposante Zug begleitet von nahezu sämtlichen Einwohnern Rusts und vielen Gästen aus nah und fern, unter ihnen auch Herr Rozsas samt Frau aus Großzinkendorf zu dem eigens hergerichteten Festplatze. Während die Odenburger Feuerwehr ihre Schauübung begann, bildeten die Ruster Feuerwehrleute ringsherum Spalier und hielten in jeder Beziehung musterhaft die Ordnung aufrecht. Herr Oberkommandant Rösch, als erprobter Fachmann und Leiter der Übung, ließ nun von leichteren sukzessive immer schwereren Arbeiten übergehen und die Ödenburger Herren bekundeten eine staunenswerte Gewandtheit in der Lösung sämtlicher ihnen gestellten Aufgaben. Besonderen Beifall fand die rasche Aufstellung einer wohl mehr als 16 Meter langen Leiter und das blitzschnell erfolgte Erklettern von Seite der Steiger, wobei sich der Ödenburger Turnlehrer, Herr Göring, besonders brillant hervortat. Nach halb 5 Uhr waren die Übungen beendet und die ganz neue Spritze des Herrn Fabrikanten Seltenhofer, welche wegen ihrer wunderbaren Konstruktion ein wahres Schauobjekt bildete, hat die Probe herrlich bestanden. Das erforderliche Wasser aus dem weitgedehnten Spiegel des Neusiedlersees wurde in unglaublicher Raschheit in die Spritze gepumpt. Aber auch die Ruster Feuerspritze (ein Fabrikat aus früheren Zeiten) hat sich bestens bewährt. Nach getaner Arbeit ist gut ruhen. Von diesem bewährten Sprichworte machte man Gebrauch und begab sich, die Feuerwehren von Ödenburg und Rust, in den eigens hiezu hergerichteten, großen, städtischen Saal, wo Herr Bürgermeister v. Conrad in deutscher, Herr Obernotär Magyar in ungarischer Sprache jene sehr schwungvolle Anrede namens der Stadt Rust an die Odenburger Feuerwehr und Vereinsmitglieder richteten. Beide Reden wurden mit Eljen-Rufen aufgenommen. Dem folgte ein kleiner Imbiss und baldigst sah man die Versammlung in die gehobenste Stimmung versetzt. Nun bestieg Herr Oberkommandant Rösch die Tribüne und begann in einer umfangreichen, denkwürdigen Rede das Feuerwehrwesen zu besprechen und spornte den jungen Verein zum Fleiße und Ausdauer an. Der gewandte Redner wurde mehreren Mals von stürmischen Eljen-Rufen unterbrochen.
Dass auch der gute Ruster Wein zu kleinen, allzu feurigen Ergüssen führte, ist bei Männern, die in der Sonnenwärme schwer gearbeitet haben, und daher überaus durstig geworden sind, nicht zu verdammen. Erst nach 7 Uhr traten die lieben Ödenburger ihren Rückweg in heiterster Laune an. Für Rust wird aber das schöne Ehrenfest lange, lange eine süße, fröhliche Erinnerung sein.

 

30. Juli / 1.August

Vom Prachtwetter begünstigt, fand das am 29. Juli dieses Jahres anberaumte Fest beim Badhause Rust statt. Nach 3 Uhr begab sich der Zug sämtlicher Feuerwehrleute unter klingendem Spiele, an der Spitze der Männergesangverein, dahin, wo der Ankunft der Eisenstädter Feuerwehr entgegengeharrt wurde. Nach gegenseitiger Vorstellung hielt Herr Kornmandant v. Major aus Eisenstadt eine schwungvolle Ansprache, welche mit kräftigen Eljens aufgenommen worden ist.
Nun begann das einheitliche Konzert, welchem überaus viele Besucher anwohnten, sodass bereits bis 5 Uhr sämtliche Entreekarten ausverkauft waren und welche nachgeschrieben werden mussten. Obzwar das Entree nur 20 Kreuzer zum Konzert, 50 Kreuzer für Tänzerzeichen betrug, und von ersterem Entree sämtliche Feuerwehrleute und Mitglieder des Gesangsvereines befreit waren, wurde doch ein fast unglaublich hoher Erlös erzielt und spricht zu deutlich: „Die Ruster geben für die Feuerwehr - alles her“. 113 fl 25 Kreuzer wurde in die Feuerwehrkasse abgeführt, wobei nach völliger Deckung der Auslagen noch zirka 60 fl Überschuss zugunsten dieses Instituts verblieben. Das Konzert, welches laut Programm bis 7 Uhr dauern sollte, wurde schon um 6 Uhr beendet, indem die herrlichen Weisen der Nationalkapelle Papai, derart wirkten, dass alle Füße zuckten. Die Beteiligung am Tanze war daher eine zahlreiche. Es wurde beispielsweise eine Quadrille unter Leitung des Tänzers Herrn Mandl aus Eisenstadt getanzt, an welcher mehr als 30 Paare teilnahmen. Heißa, ging es darin munter zu, in dem neuhergerichteten KursaIon! Es tat einem wahrlich die Wahl weh, welcher von den zarten Tänzerinnen man den Vorzug geben sollte. Allein unter den Ausgezeichneten finden sich immer noch Bemerkenswertere und müssen wir den Preis der liebenswürdigen Frau Tennert (Verwaltersgattin) aus Trauersdorf und Frau Bertl aus Ödenburg anerkennen. Sie tanzten leicht und graziös sowie mondscheinnachtgeborene Elfen. Von Herren waren als die feurigsten Csardastänzer Herr Szabo, Lehrer aus Eisenstadt und der Komitatsbeamte Herr v. Füzy hervorzuheben. Bis der Morgen graute, währte die Lustbarkeit und für Küchengenüsse sorgte trefflichst die geschickte Hand eines Fräulein Steiner aus Ödenburg.

 

11. November (Rettung durch unsere Feuerwehr)

Sonntag abends, als die Turmuhr die 9. Stunde verkündete, ertönten die Feuersignale der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und gleichzeitig der Schreckensruf „In der Vorstadt brennt’s“. Mit geflügeltem Laufe strömte eine große Menschenmenge der Unglücksstätte zu, und man orientierte sich balde, dass das Feuer auf der Scheiterlage außerhalb der Stadt ausgebrochen sei - auf jener Stätte, wo sich fast jährlich dieses gefährliche Schauspiel abwickelt. Allen voran sahen wir die Feuerwehrmänner, wie sie selber die Feuerspritze und die Wasserwägen zogen. An Ort und Stelle angelangt, fand man einen ziemlich großen Holzhaufen mit Weinrebenbürteln gemengt in hellen Flammen, wobei die himmelanstrebende Lohe bei der total finsteren Nacht dermaßen in intensiver Glut leuchtete, dass es schien, als ob die ganze Stadt in Feuer stünde. Indem rings um die Brandstätte unzählige Haufen von Holzbürtel aufgespeichert lagen, musste man auf das Schrecklichste sich gefasst machen. Den vereinten Kräften, welche diesmal, angeeifert durch die wackere Feuerwehr, eifriger zusammenwirkten als sonst bei ähnlichen Gelegenheiten, gelang es nach eineinhalbstündiger rastloser Tätigkeit, dem verheerenden Elemente Einhalt zu tun, ehe es größere Dimensionen annehmen konnte. Mit Freuden konstatierten wir, dass die Feuerwehrmänner, obwohl noch Neulinge in diesem Fache, ihrem Namen und dem jungen Vereine alle Ehre machten, indem sie die erste rettende Tat vollkommen zu verbringen verstanden haben.

 

Entwicklung 1884-1984

Einen Bericht über die Entwicklung der Ruster Feuerwehr zu schreiben, erweist sich als verhältnismäßig unkompliziert, da vom Gründungsjahr 1884 bis zum Jahre 1934 eine ausführliche Protokollführung existiert. Die Kriegsjahre 1914-18 sind natürlich ausgenommen. Nicht jede Feuerwehr des Burgenlandes ist in dieser glücklichen Lage.

Über das Gründungsjahr 1884 wurde bereits ausführlich berichtet. Systematisch wird in den folgenden Jahren für Anschaffung von notwendiger Ausrüstung und für die fachgerechte Ausbildung der Feuerwehrmänner gesorgt. 1885 wird zB. eine Spritzenmannschaft ausgebildet und mit der nötigen Ausrüstung versehen. 1886 kauft der Verein einen Hydrophor an, um die beträchtliche Summe von 680 fl. Auf diese erste, große Anschaffung folgen im Laufe der Jahre weitere, wie Schläuche, Leitern, Spritzen usw. 1901 wird ein Requisitenregister angelegt.

Im Gründungsjahr konnten nur einige Feuerwehrmänner mit geeigneter Montur ausgerüstet werden. Ein Kommandantenhelm wird erwähnt, ein Gurt und einige Monturen. Es ist ein langer Weg bis zum Jahr 1900, wo stolz berichtet werden kann, dass nun 52 Mann voll ausgerüstet seien. Im Jubiläumsjahr 1894 steht vermerkt, dass die 10jährigen Mitglieder auf ihre Ehrenmedaillen verzichteten (Spende der Bezirkssparkasse) zugunsten des Ankaufs von Sommerblusen.

Im Jahre 1884 werden die Statuten des Ruster Freiwilligen Feuerwehrvereines gedruckt. Ebenfalls 1886 stiftete der Verein bereits einen Krankenfonds für seine Mitglieder, der noch im selben Jahr in Funktion tritt.

Bis 1935 war das Gerät der Feuerwehr im Hause Conradplatz 3 aufbewahrt. Im selben Gebäude befand sich auch das Eichamt. Ein eigenes Vereinlokal besaß man nicht, die Zusammenkünfte fanden in Gasthäusern statt. Der Plan, das Feuerwehrzeughaus am Franz Josephs-Platz zu erbauen, stieß anfangs bei der Bevölkerung nicht auf ungeteiltes Verständnis. Nach dringenden Appellen und Verhandlungen konnte das neue Spritzenhaus am 2. 2. 1935 feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Zusammenarbeit der Feuerwehr mit der Stadtkommune wird mehrmals erwähnt. Nach einigen Bränden in den Jahren 1885/86 verpflichten sich die freiwilligen Feuerwehrmänner, die Stadtfeuerwache bei ihrer Arbeit zu unterstützen. 1889 erklärt sich die Stadt bereit, der Feuerwehr jährlich 10 fl und Wasser zur Verfügung zu stellen. Ab 1891 brauchen die Kriegerdenkmalenthüllung am 6. 1. 1923 unter Mitwirkung der Ruster Feuerwehr. Rechts im Hintergrund das alte Feuerwehrhaus (Feuerlöschrequisiten-Depot 1854) Feuerwehrmänner der Stadtkommune keine Robotleistungen mehr erbringen.

Wie in jedem Verein gibt es auch bei der Ruster Feuerwehr Krisen im Vereinsleben. 1891 beantragt Präses Magyar die Auflösung des Vereines, „. . . weil die Mitglieder zu ungewissenhaft seien“. Es kommt auch tatsächlich zur Auflösung. Noch im selben Jahr wird der Verein aber auf Ersuchen von Bürgermeister v. Conrad neu organisiert. Die Mitgliederzahl wird vorerst auf 45 begrenzt. Auch 1931 ist in den Protokollen von schlechter Disziplin und geringem Interesse der Bürger die Rede.

Die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der Ruster Feuerwehr war von Anfang an gegeben. Fast jedes Jahr organisierte sie eine Ballveranstaltung. Mehrmals wurden „Schauübungen“ für die Bevölkerung abgehalten. Die Kontakte zu den Feuerwehren der Nachbargemeinden wurden auch in gesellschaftlicher Hinsicht gepflegt durch gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen und Jubiläumsfeiern. Auch Ausflüge wurden unternommen (1890 Fahnenweihe in Eisenstadt, 1892 Jubiläumsfeier in Ödenburg, 1896 Budapest, Landesausstellung, usw.)

1909 feiert die Ruster Feuerwehr ihr 15jähriges Jubiläum „in kleinerem Maße“, wie im Protokoll vermerkt ist. Im Jahre 1934 fand ebenfalls ein eher bescheidenes 50jähriges Jubiläumsfest statt.

Wie auch heute noch, nahm die Feuerwehr an allen großen Veranstaltungen der Freistadt Rust teil.

Die beiden Weltkriege bedeuten für das Vereinsleben eine mehrjährige Unterbrechung. Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt 1919 der Wiederaufbau. Es ist erstaunlich, dass es der Feuerwehr in der wirtschaftlich schlechten Zwischenkriegszeit gelungen ist, ziemlich kostspielige, aber unbedingt erforderliche Anschaffungen zu tätigen: 1929 Ankauf einer fahrbaren Leiter, 1930 Erwerbung einer Motorspritze, und 1935 wird das neue Feuerwehrzeughaus seiner Bestimmung übergeben.

Während des Zweiten Weltkrieges übernahmen Ruster Frauen unter dem Kommandanten Eimmerich Schreiner den Feuerschutz.

Von 1938 bis 1945 war das Land Burgenland ein Teil des Gaues Niederdonau. Aus dieser Zeit sind keine Unterlagen zur Feuerwehrgeschichte vorhanden. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stand auch für unsere Feuerwehr im Zeichen des Wiederaufbauens. Allmählich wurde die Gerätschaft auf einen Stand gebracht, der den Anforderungen unserer Zeit entspricht.

1954 wurden ein TSA und eine neue Motorspritze angeschafft.

1976 wurde ein TLF 2000 angekauft, außerdem wurde die Renovierung des Feuerwehrzeughauses durchgeführt.

1981 erfolgte der Ausbau eines Schulungsraumes und der Ankauf eines Kommandofahrzeuges.

Seit 1977 steht der FF Rust ein Motorboot für Einsätze auf dem Neusiedlersee zur Verfügung. Auch die Schulung der Feuerwehrmänner wurde gefördert. Die FF Rust konnte bei den Landeswettkämpfen 1977 in Eisenstadt Rang 3 belegen. Seit 1978 gib es in Rust eine Jugendgruppe in der Feuerwehr, die sehr engagiert tätig ist. Das erfüllt die Bürger unserer Stadt mit Freude und Hoffnung. Denn eine Jugend, die freudig und einsatzbereit im Dienste des Nächsten tätig ist, gibt die Sicherheit, dass eine große Tradition weitergeführt wird.

Im Jahre 1990 wird „Am Hafen 16“ ein neues, zeitgerechtes Feuerwehrhaus erbaut (Kosten ca. öS 3,5 Millionen), welches im Jahre 1991 bezogen wird. Auch wurde ein Lösch- und Bergefahrzeug der Marke Mercedes angekauft (Kosten ca. öS 750.000,-), welches mit Tragkraftspritze, Notstromaggregat, Lichtfluter und technischen Werkzeugen ausgestattet ist, angekauft.

Im Jahre 1993 wurde ein Mannschaftstransportbus der Marke VW angekauft (Kostenpunkt rund öS 300.000,-) und in Eigenregie umgebaut, sodass man einen Bergesatz für technische Einsätze darin unterbringen konnte, welchen sich die Feuerwehr aus Spendengelder in der Höhe von öS 140.000,- erworben hatten.

Gegen Ende der 90iger Jahre wurde die gesamte Mannschaft mit neuer, zeitgemäßer Einsatzbekleidung sowie Einsatzhelmen ausgestattet. Und im Jahre 2001 wurde ein Tanklöschfahrzeug 2000 angekauft, welches zu 1/3 vom Land und zu 2/3 von der Stadtgemeinde Rust finanziert wurde. Die Sonderausstattung wie Notstromaggregat, Druckbelüfter und diverser Umbauarbeiten in Höhe von rund 300.000,- Schilling wurde von der Stadtfeuerwehr Rust getragen.

Christiane Schröck