Ein Vierteljahrhundert nach dem verheerenden Brandereignis im Jahr 2001 wurde die Ruster Bucht erneut Schauplatz eines Flammeninfernos. Am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, wurde die Freiwillige Feuerwehr Rust um 21:55 Uhr mittels Sirene und Rufempfänger zu einem Brandeinsatz in die Ruster Bucht alarmiert. Bereits fünf Minuten später rückten die ersten Kräfte aus. Noch während der Anfahrt erkannte der Einsatzleiter die bedrohliche Dimension und veranlasste die erste Nachalarmierung der Nachbarfeuerwehren. Aufgrund der Lage wurde die Alarmstufe auf B3 erhöht und weitere Unterstützung angefordert.
Beim Eintreffen standen die Feuerwehrkräfte einem ausgedehnten Brand mit gewaltiger Hitzeentwicklung und dichtem Rauch gegenüber. Insgesamt wurden 226 Bootsgaragen zerstört, in denen sich auch zahlreiche Elektroboote befanden. Die Bilder erinnerten auf bedrückende Weise an das Flammeninferno, das die Ruster Bucht bereits im Jahr 2001 getroffen hatte.
Die Brandbekämpfung verlangte den Einsatzkräften unter massiv erschwerten Bedingungen alles ab. Der außergewöhnlich niedrige Wasserstand des Neusiedler Sees machte einen Löschangriff vom Wasser aus nahezu unmöglich. Der Zugang musste überwiegend über schmale Stege erfolgen, was das Vorgehen, die Materialversorgung und die Koordination erheblich erschwerte. Dazu kamen ständig wechselnde Windrichtungen, extreme Hitze und wiederholte Explosionen von Gasflaschen, die eine unmittelbare Gefahr für die Feuerwehrmitglieder darstellten.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erforderten die in den Bootsgaragen abgestellten Elektroboote und ihre Batteriesysteme. Durch die Brandeinwirkung bestand das Risiko thermischer Schäden und weiterer gefährlicher Reaktionen. Besonders kritisch war die Nähe zum Seerestaurant Niki am Hafen, zum Schilfgürtel in Richtung Yachtclub und zur Romantika-Siedlung mit rund 200 Bade- beziehungsweise Seehütten. Eine Ausbreitung auf diese Bereiche hätte den Schaden noch erheblich vergrößern können. Vorsorglich wurde auch die Freiwillige Feuerwehr Neusiedl am See mit ihrem Mehrzweckboot nachalarmiert, um bei einem möglichen Übergreifen auf den Schilfgürtel rasch eingreifen zu können.
Insgesamt standen rund 300 Einsatzkräfte aus 14 Feuerwehren mit etwa 40 Einsatzfahrzeugen im Einsatz. Das Zusammenspiel der Mannschaften, die Wasserversorgung, die schwierigen Zugänge und die laufende Anpassung der Einsatztaktik verlangten eine enge Abstimmung. Ziel war es, den Brand einzudämmen und die umliegenden Anlagen sowie den Schilfgürtel vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen.
Parallel zur Brandbekämpfung wurden Maßnahmen zum Schutz des Neusiedler Sees getroffen. In Abstimmung mit der Wasserrechtsbehörde des Landes Burgenland und dem Magistrat der Freistadt Rust wurde die Errichtung von Ölsperren an gefährdeten und strategisch wichtigen Stellen koordiniert. Die eingesetzten Feuerwehren positionierten die Sperren, um eine mögliche Ausbreitung von Schadstoffen auf dem Wasser einzudämmen.
Von der Kontrolle des Brandes bis zur letzten Brandwache
Nach stundenlangem Kampf konnte die Einsatzleitung gegen 04:00 Uhr am Donnerstagmorgen melden, dass der Brand unter Kontrolle war. Damit war die unmittelbare Gefahr eines Übergreifens auf das Seerestaurant und die benachbarten Seehütten weitgehend gebannt. Um 05:27 Uhr folgte schließlich die Meldung „Brand aus“. Für die Einsatzkräfte war die Arbeit damit jedoch noch nicht beendet: Ab etwa 06:00 Uhr wurden umfangreiche Nachlöscharbeiten durchgeführt, Glutnester kontrolliert und abgelöscht sowie die Brandstelle weiter überwacht.
Eine Brandsicherheitswache blieb bis in die späten Abendstunden eingerichtet. Die Maßnahmen konnten am Donnerstag, dem 15. Oktober, um 22:30 Uhr abgeschlossen werden. Damit dauerte der Einsatz vom Alarm bis zum Abschluss der Sicherungsmaßnahmen insgesamt 24 Stunden und 35 Minuten. Bereits gegen 02:00 Uhr in der Nacht hatte Manuel Balogh vom BILLA Rust die erschöpften Einsatzmannschaften mit Speisen und Getränken versorgt – eine wertvolle Stärkung mitten in den intensiven Löscharbeiten.
Mit den 226 zerstörten Bootsgaragen und den darin gelagerten Booten ist ein enormer Sachschaden entstanden. Das genaue Ausmaß bleibt weiteren Erhebungen vorbehalten. So schwer die Folgen dieses Brandes auch wiegen, durch das entschlossene und koordinierte Vorgehen aller eingesetzten Kräfte konnte eine noch weit größere Schadensausbreitung verhindert werden. Insbesondere der Schutz des Seerestaurants, der benachbarten Seehütten und des Schilfgürtels stand dabei im Mittelpunkt.
Die Aufarbeitung und die weiteren erforderlichen Schritte werden in engster Zusammenarbeit mit der Ruster Seebad GesmbH und der Stadtgemeinde Rust abgestimmt und geplant. Sicherheit, eine sorgfältige Beurteilung der Lage und ein verantwortungsvolles gemeinsames Vorgehen stehen dabei im Vordergrund. Die Freiwillige Feuerwehr Rust wird die zuständigen Stellen im Rahmen ihrer Aufgaben weiterhin unterstützen.
Die Freiwillige Feuerwehr Rust bedankt sich herzlich bei allen eingesetzten Feuerwehren, Einsatzorganisationen, Behörden und unterstützenden Kräften für die hervorragende und kameradschaftliche Zusammenarbeit. Unser besonderer Dank gilt allen rund 300 Einsatzkräften, die sich über viele Stunden unter gefährlichen Bedingungen dem Feuer entgegenstellten. Ganz besonders stolz sind wir auf unsere eigenen Kameradinnen und Kameraden: Ihre Professionalität, Disziplin, Einsatzbereitschaft und ihr Zusammenhalt haben diesen außergewöhnlichen Einsatz geprägt.
Ein aufrichtiges Dankeschön gilt Manuel Balogh vom BILLA Rust für die spontane nächtliche Versorgung mit Speisen und Getränken. Ebenso danken wir dem Seerestaurant Niki am Hafen, der Seebad Rust GmbH und dem Seemanagement Burgenland für ihre wertvolle Unterstützung. Der Wasserrechtsbehörde und dem Magistrat der Freistadt Rust danken wir für die enge Koordination der notwendigen Schutzmaßnahmen. Diese Hilfsbereitschaft zeigt, wie wichtig der Zusammenhalt in Rust und der gesamten Region gerade in einer solchen Ausnahmesituation ist.
Die Erinnerungen an das Brandinferno von 2001 wurden in dieser Nacht wieder wach. Was neben den erschütternden Bildern bleibt, ist die Gewissheit, dass wir uns auch unter schwierigsten Bedingungen aufeinander verlassen können. Gemeinsam konnte Schlimmeres verhindert werden. Allen Beteiligten gilt unser größter Respekt und Dank.
Eingesetzte Mannschaft: 34 Mann/Frau
Eingesetzte Fahrzeuge/ Gerät: KDTF, ELF, MTF, LFBA, TLF2000, Motorzille, Drohne
